3.1 Grauer Star


 

Was ist ein grauer Star?

  • Der graue Star ist die meist altersbedingte Trübung der natürlichen Linse.
  • Neben dem Alterungsprozess können auch äußere Einflüsse oder genetische Veranlagungen für einen grauen Star ursächlich sein.
  • Entwickelt sich ein grauer Star, merkt man zunächst oft nur eine etwas vermehrte Blendeempfindlichkeit und Minderung des Kontrastsehens. Farben werden mit der Zeit weniger farbenfroh wahrgenommen ("Grauschleier") und schließlich kommt es zu einer zunehmenden Verschlechterung des Sehen. 
  • Der Graue Star entwickelt sich in den meisten Fällen langsam.


Unsere Augenlinse:

  • Die Augenlinse besteht aus einem sehr speziellen Gewebe. Sie besteht von außen nach innen aus der Linsenkapsel, der Linsenrinde und dem Linsenkern.
  • Ganz außen unter der Kapsel befindet sich in der Äquatorialregion der Linse die sogenannte geminative Zone. Durch Zellteilung werden hier zeitlebens neue Linsenzellen gebildet. Die Linsenzellen werden also nach und nach durch neu nachwachsende Linsenzellen von außen ins Linseninnere geschoben, flachen bei diesem Prozess ab und verdichten sich. Lange Zeit bleibt unser Linsengewebe durch diese dichte, regelmäßige Schichtung sehr klar. 


Alterungsprozess der Linse:

Alterungsprozesse unserer Augenlinse sind unumgänglich. Die meisten Menschen werden dies früher oder später zunächst in der Alterssichtigkeit, dann auch in der altersbedingten Trübung der Augenlinse merken.

 

Alterssichtigkeit

  • In etwa um das 45. Lebensjahr herum wird die Linse durch diese Zellverdichtung etwas starrer, also weniger elastisch. Dadurch kommt es zur Alterssichtigkeit, der sogenannten Presbyopie. 
  • In der Ferne scharf sehende Augen können dann in der Nähe immer weniger scharf sehen. Man könnte auch sagen: Das “Heranholen” des scharfen Seheindruckes wird immer weniger gut möglich. Sind unsere Augen durch Normalsichtigkeit oder das richtige Brillenglas für die Ferne gut eingestellt, kann die Nähe nicht mehr scharf wahrgenommen werden. Wir brauchen eine Lesebrille oder eine Gleitsichtbrille. 

Grauer Star

  • Da unser Linsengewebe immer dichter und dichter wird, kommt es irgendwann zur Eintrübung der Linse, dem grauen Star oder auch Katarakt. 
  • Neben der altersbedingten Trübung der Linse kommen auch andere Ursachen für die Entstehung einer Katarakt in Frage, wie zum Beispiel:
    • Systemische Kortisontherapie über einen längeren Zeitraum in höherer Dosis
    • Prellung des Auges / Schlag auf das Auge (traumatische Katarakt)
    • Strahlenbelastung (Strahlenkatarakt)
    • Angeborene Linsentrübung
    • Durch Stoffwechselerkrankungen bedingte Katarakt
    • Durch eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft beim Embryo bedingte Katarakt
    • Blitzschlag
    • und einige mehr..

Was kann ich präventiv tun?

  • Die altersbedingte Linsentrübung oder genetisch bedingte, angeborene Linsentrübungen sind durch uns nicht aktiv zu beeinflussen.
  • Zwar gibt es in Studien Hinweise darauf, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung und die ausreichende Aufnahme von Antioxidantien über die Nahrung einer frühzeitigen Linsentrübung entgegenwirken können, jedoch ist die Studienlage hierbei umstritten. 
  • Für Antioxidantien haltige Nahrungsergänzungsmittel konnte kein positiver Effekt auf die Entstehung des grauen Stars nachgewiesen werden (ARED-Studie).
  • Um unsere Linse zu schützen, sollten wir ionisierende Strahlung oder zu starke UV-Strahlung (zum Beispiel durch das Tragen einer Sonnenbrille ohne geeigneten UV-Schutz oder Solariumnutzung ohne geeigneten Schutz der Augen) vermeiden.
  • Auch Schläge auf Kopf oder Auge sollten natürlich vermieden werden, da sie ein Gesundheitsrisiko nicht nur für unsere Augenlinse darstellen.
  • Es gibt derzeit keine Augentropfen oder sonstige Medikamente, die die Eintrübung der Linse aufhalten oder rückgängig machen. Berichte darüber konnten wissenschaftlichen Prüfungen bislang nicht standhalten. 
  • Durch Beurteilung des vorderen Augenabschnittes an der Spaltlampe und die Überprüfung der Sehkraft kann der Augenarzt erkennen, ob bei Ihnen ein grauer Star vorliegt und ob dieser bereits behandlungsbedürftig ist.


Wie merke ich, dass ich einen grauen Star habe?

  • Da ein grauer Star in der Regel sehr langsam entsteht, gewöhnt sich das Gehirn an den schlechter werdenden Seheindruck, sodass man die Seheinschränkung oft zunächst gar nicht bemerkt. 
  • Manchmal fällt erst auf Nachfrage auf, dass gegebenenfalls in letzter Zeit eine vermehrte Blendeempfindlichkeit, weniger scharfe Kontraste, oder eine oft als eher leicht empfundene Sehschärfenminderung entstanden sind. 

Wann muss der graue Star operiert werden?

  • Operationsbedürftig ist ein grauer Star zumeist erst dann, wenn das Sehen sich so stark verschlechtert hat, dass die Patienten im Alltag eingeschränkt sind. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Visus sich so weit verschlechtert, dass das Führen eines Kraftfahrzeuges nicht mehr erlaubt oder nicht mehr sicher möglich ist. Aber auch, wenn zum Beispiel Blendeempfinden und Kontrastminderung den Alltag des Patienten subjektiv stark beeinträchtigen, kann bereits bei weniger starker Visusminderung über eine Katarakt-Operation nachgedacht werden. 
  • Der graue Star entwickelt sich in der Regel langsam, sodass Patienten meist Zeit haben, sich mit der Diagnose vertraut zu machen, bevor eine Operation notwendig wird. Sollte der graue Star aber weit fortgeschritten sein, kann eine baldige Operation ratsam sein. Ab einem gewissen sehr fortgeschrittenen Stadium der Linsentrübung kann das Linsenmaterial sehr fest werden, sodass die eigentlich sehr unkomplizierte OP doch schwierig werden kann. 
  • Bei noch weiter fortgeschrittenen Befunden, bei denen die Sehkraft jedoch schon extrem stark eingeschränkt ist (nur noch Erkennen von Umrissen), können ohne OP sogar weitere schwere Komplikationen auftreten. Daher ist eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle insbesondere bei Patienten wichtig, die wegen Alters oder Behinderung eine Sehminderung nicht kommunizieren können.

Katarakt-Operation

  • Heutzutage ist die Katarakt-OP eine der weltweit am häufigsten durchgeführten Operationen. Sie findet meist ambulant und unter örtlicher Betäubung (Augentropfen) statt und dauert pro Auge meist nur 10-20 Minuten. Gegen Nervosität und Aufregung wird oft ein orales oder intravenöses Beruhigungsmittel angeboten. 
  • Durch sehr kleine Schnitte in der Hornhaut werden feine Instrumente in den vorderen Augenabschnitt eingeführt.
  • Die Linsenkapsel wird vorne im Bereich der Pupille kreisrund eröffnet. Dies geschieht entweder mit der Pinzette durch gekonnten Zug (Rhexis), oder durch einen Femto-Laser. 
  • Das Linseninnere, also die Kapsel und der Kern werden dann entweder durch Phakoemulsifikation mit Ultraschallenergie oder durch den Laser zerkleinert und nachfolgend aus dem Auge durch feine Saug-/Spül-Instrumente entfernt.
  • Die neue künstliche Linse wird dann in den verbleibenden Kapselsack durch die vordere Öffnung eingesetzt. Sie wird in eingerolltem Zustand durch einen Applikator in das Auge eingebracht, wo sie sich dann im Kapselsack entfaltet.
  • Unter speziellen Voraussetzungen kann es auch nötig sein, die neue Linse anderweitig im Auge zu befestigen, zum Beispiel wenn der Kapselsack nicht mehr intakt ist oder seine Haltefasern, die Zonulafasern, beschädigt sind. 
Mögliche Orte hierfür sind zum Beispiel:
    • Der Sulcus (anatomischer Raum zwischen Rückfläche der Iris und dem Corpus ciliare des Auges)
    • Die Iris (Regenbogenhaut) mit irisfixierten oder Iris-clip-Linsen, die sich von hinten an der Regenbogenhaut festklemmen lassen
    • Die Sklera, indem die spezielle Linse von innen an der stabilen Augenhülle, der Lederhaut oder Sklera festgenäht wird.
    • Die vordere Augenkammer
  • Ist die Linse eingebracht und in korrekter Position, werden die Instrumente entfernt. 
  • Die kleinen Schnitte am Hornhautrand sind so klein, dass sie in der Regel nicht einmal vernäht werden müssen. Ein wenig Injektion von Flüssigkeit in das umgebende Hornhautgewebe reicht meist aus, um das Gewebe etwas aufquellen zu lassen, sodass sich die Schnitte abdichten. 
  • Da die Hornhaut keine Blutgefäße besitzt, bleibt der Eingriff meist ohne Blutung. Das hat zum Vorteil, dass blutverdünnende Medikamente meist nicht abgesetzt werden müssen.
  • Sie sollten Ihren Arzt oder Ihre Ärztin jedoch über alle Vorerkrankungen und Medikamente informieren, da manche Vorerkrankungen oder Medikamente den OP-Verlauf beeinflussen können. Dies gilt auch für Medikamente, die scheinbar zunächst gar nichts mit dem Auge zu tun haben. Die vorherige Rücksprache ist nötig, damit Operateur oder Operateurin sich auf diese Besonderheiten einstellen können und somit für ein bestmögliches Gelingen der OP sorgen können.